
aus: Wanderkarte Ruppichteroth im Naturpark Bergisches Land, herausgegeben vom Landesvermessungsamt NRW , 1. Aufl. 1981 (LVermA NRW)
Die Gemeinde Ruppichteroth liegt in der reizvollen, waldreichen Hügellandschaft im westlichen Teil des Bergischen Landes an der B478, rd. 50 km südöstlich von Köln, rd. 30 km östlich von Bonn, 25 km von der Kreisstadt Siegburg und 10 km von Waldbröl entfernt. Die Gemeinde besteht aus 74 Ortsteilen und umfasst eine Fläche von 6.196 ha.
Der derzeitige Gebietsstand wurde im Zuge der Ordnung des Großraumes Bonn (1969) erreicht, indem die beiden amtsangehörigen Gemeinden Ruppichteroth und Winterscheid, die bisher im Amt Ruppichteroth zusammengeschlossen waren, zu der neuen Gemeinde Ruppichteroth vereinigt wurden.
Nach den Karolingischen Teilungen (Vertrag von Verdun 843) gehörte die Bauernschaft Ruppichteroth zum Auelgau. Innerhalb der territorialen Entwicklung der Grafschaft (später Herzogtum) Berg kam in der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts das Amt Blankenberg, in dem Ruppichteroth damals lag, zum Herzogtum Berg.
Das bergische Amt Blankenberg, zu dem auch das Gebiet der jetzigen Gemeinde Ruppichteroth gehörte, bestand bis 1806. Am 15.03 1806 übernahm Napoleon das Herzogtum Berg und erklärte es, da im Laufe des Jahres 1806 auch noch das Herzogtum Cleve hinzugekommen war, zum Großherzogtum. Großherzog wurde Joachim Murat, der Schwager Napoleons.
Am 03.08.1806 teilte die Regierung die Herzogtümer Cleve und Berg provisorisch in sechs Bezirke oder Arrondissements ein, wozu auch das Arrondissement Siegburg mit 69.264 Seelen gehörte. Das Arrondissement Siegburg umfasste folgende ehemalige Ämter und Gemeinden: 1. Wildenburg, 2. Homburg, 3. Windeck, 4. Blankenberg, 5. Löwenburg und Lösdorf, 6. Vilich und Schwarzrheindorf, 7. Königswinter und 8. Siegburg. 1808 wurde Joachim Murat König von Neapel und das Großherzogtum von Neapel direkt verwaltet.
Das kaiserliche Dekret vom 14.11.1808 brachte neue Gebietsveränderungen. Die Kirchengemeinden Ruppichteroth und Winterscheid wurden zur Munizipalität oder Mairie (=Bürgermeisterei) Ruppichteroth zusammengefasst, die mit den Munizipalitäten oder Mairien Eitorf, Herchen und Much zum Kanton Eitorf gehörte. Der Kanton oder Friedensgerichtsbezirk Eitorf wiederum gehörte mit den Kantonen Siegen, Netphen, Wildenburg, Waldbröl, Homburg und Gummersbach zum Arrondissement Siegen. Das Arrondissement Siegen bildete mit dem Arrondissement Dillenburg das Sieg-Department.
Nach den Befreiungskriegen wurde das Großherzogtum zwei Jahre lang (1814 und 1815) von Preußen provisorisch verwaltet. Das Gebiet nannte sich nun Generalgouvernement Berg. Der Bereich des alten Herzogtums Berg - in den Grenzen vor der napoleonischen Machtübernahme - wurde in die Kreise Düsseldorf, Elberfeld, Mülheim und Wipperfürth eingeteilt. Der Kanton Eitorf mit der Bürgermeisterei Ruppichteroth gehörte zum Wipperfürther Kreis.
Nach dem Wiener Kongress im Jahre 1815 fiel das Generalgouvernement Berg definitiv an Preußen. 1816 wurde unter preußischer Verwaltung der Kreis Uckerath gebildet, aus den acht Bürgermeistereien Eitorf, Hennef, Herchen, Lauthausen, Much, Neunkirchen, Ruppichteroth, Uckerath. Der Kreis Uckerath wurde durch Kabinettsorder vom 1. Oktober 1820 mit dem Kreis Siegburg vereinigt. Seit dieser Zeit gehört die Gemeinde Ruppichteroth zum Siegkreis, dem jetzigen Rhein-Sieg-Kreis.
Die Landwirtschaft bildete jahrhundertelang die Haupterwerbsquelle der Bürger der Gemeinde. Um die Mitte des 19. Jahrhunderts erlebte die Gemeinde Ruppichteroth einen wirtschaftlichen Aufschwung durch die Erzgruben beim Ort Ruppichteroth. Diese Betriebe beschäftigten, gemessen an den damaligen Verhältnissen, eine erhebliche Anzahl an Arbeitskräften. Zum Transport der gewonnenen Erze wurde eigens eine Eisenbahn (die Rhein-Sieg-Eisenbahn) von Hennef bis nach Schönenberg und von dort weiterführend in das Saurenbachtal gebaut. Diese Bahn wurde später bis Ruppichteroth und Waldbröl verlängert.
Wegen der geringen Ergiebigkeit mussten die Erzgruben nach 1870 stillgelegt werden. Diese Maßnahme traf die Bürger der Gemeinde schwer, denn nun gab es nur noch in der Landwirtschaft und in den Kalkbrüchen bei Schönenberg und Ruppichteroth eine Beschäftigungsmöglichkeit. Viele Arbeiter waren gezwungen, an weit abliegenden Arbeitsplätzen Arbeit zu suchen, jedoch bot ihnen die Rhein-Sieg-Eisenbahn, die inzwischen auch auf Personenverkehr umgestellt worden war, günstige Transportmöglichkeiten.
Die Industrie fasste erst spät in der Gemeinde Ruppichteroth Fuß. Aus einem 1889 in Ruppichteroth durch Hugo und Otto Willach gegründeten Handelsgeschäft in Schlössern und Beschlägen entwickelten sich im Laufe der Zeit zwei Betriebe, die inzwischen weltweite Bedeutung erlangt haben. Handel und Gewerbe sind durch zahlreiche Unternehmen der verschiedensten Branchen vertreten, die an der Entwicklung der Wirtschaft der Gemeinde einen erheblichen Anteil haben.
Die Gemeinde Ruppichteroth verfügt über eine zentrale Wasserversorgung, an die zur Zeit 97% der Bevölkerung angeschlossen sind. Zur Sammlung und Reinigung der in den einzelnen Orten des Bröltales (Ortslagen Ruppichteroth, Schönenberg und umliegende Orte) sowie des Dehrenbachtales (Ortslage Winterscheid und umliegende Orte) anfallenden Abwässer errichtete der Aggerverband in der Nähe der Ortslage Büchel und im Bereich des Dehrenbachtales/Ortslage Winterscheid jeweils eine Zentralkläranlage. Nach Abschluss der Kanalbautätigkeiten Ende 2005 sind rd. 99% der Bevölkerung der Gemeinde Ruppichteroth an die öffentliche Kanalisation angeschlossen.
Aufgrund seiner landschaftlichen reizvollen Lage gewann in der Gemeinde Ruppichteroth der Tourismus steigende Bedeutung. Hotels, Gaststätten und Privatpensionen gewährleisten dem Gast Erholung und Entspannung vom Alltag. Außerdem stehen eine Reihe von Sport- und Freizeiteinrichtungen zur Verfügung.
Für einen Besuch empfehlen sich auch die drei Hauptorte der Gemeinde:
Gemeinde Ruppichteroth, Der Bürgermeister